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  • AutorenbildChristian Seibert

Neujahrskonzerte in Schwandorf

Samstag, 06. Januar 2024 | Beginn: 17.00 Uhr | Spitalkirche Schwandorf

Sonntag, 07. Januar 2024 | Beginn: 11.00 Uhr | Spitalkirche Schwandorf




Programm


George Gershwin (1898-1937)

Fascinating Rhythm

Sweet and low down

Nobody but you

The man I love

I Got Rhythm


Das Konzert beginnt mit fünf emotionsgeladenen Auszügen aus Gershwins "Song-Book".

No. 1 erinnert mit seinen Anklängen an ausgelassene Line-Dances und Partys in Western-Saloons an die Welt der Stummfilme, an frühe Hollywood-Eindrücke und Walt Disney.

No. 2 stellt eine Verbindung zu Gershwins berühmten Ragtimes her, wobei überall der bekannte "Entertainer" mitschwingt, den viele vielleicht vom Klavier her kennen. Man fühlt sich auch an Charly Chaplin Filme erinnert.

No. 3 bis No. 5 sind Werke, die für Gesang und Instrumentalbegleitung konzipiert sind. Dazu gehört die schwelgerische Ballade „The Man I Love“, mit einem Text von Ira Gershwin, vielleicht als Liebeserklärung an ihren Ehemann, ebenso „Nobody but You“, eine Ballade von 1920, und „I Got Rhythm“, ursprünglich aus „Girl Crazy“. In allen drei Werken transportiert die Musik die Begeisterung für einen Geliebten.


Johann Sebastian Bach (1685-1750)

aus „Das wohltemperierte Klavier, Teil 2“

Präludium und Fuge Nr. 16 g-Moll (um 1744)


Der zweite Teil von Bach wohltemperierten Klavier gibt Zeugnis aus dem Spätwerk des großen Meisters. 1750, mit Bachs Tod, endet für die Musikwissenschaft die Barockepoche.

Das hoch virtuose, komplexe Werkpaar von Präludium und Fuge bildet den Grundstein für viele künftige Verarbeitungtechniken in der Musik.

Im zweiten Teil von Bachs „Wohltemperiert Klavier“ treffen wir im Unterschied zum ersten Teil die Situation an, dass das Thema der Fuge (die zuerst auffällig hörbare Melodie) gleichzeitig variiert UND reich kontrapunktiert wird. Die vielen Verzierungen im Bass spiegeln viele kunstvolle Spielfiguren aus dem Diskant und verlangen dem vortragenden Pianisten höchste Differenzierung ab.

In diesem Werk kann der Hörer bereits das Arbeiten mit klanglichen Facetten erkennen. Neue kompositorische Wege werfen ihren Schatten bereits voraus.


Manuel de Falla (1876-1946)

Fantasia bética (1919), Artur Rubinstein gewidmet


Provinicia Baetica war der alte römische Name für Andalusien, und so könnte eine Übersetzung des Titels "Andalusische Fantasie" lauten. Obwohl die verwendeten Materialien ursprünglich von de Falla stammen, erinnern sie stark an die Volksmusik Südspaniens:

Der schrille, düstere „Cante Jondo“, der in orientalisch klingenden Tonleitern gesungen wird, Akkorde, die von Gitarrenstimmungen abgeleitet sind, und eine raue Perkussion, die an Kastagnetten und das Stampfen mit den Fersen erinnert.

Die klangliche Originalität dieses Klavierstücks ist das Ergebnis von zigeunerischen, nahöstlichen, indischen und subtilen französischen Einflüssen, die in die harmonische Sprache eingewoben sind.

Die Fantasie wird nicht als Teil des Standardrepertoires für Konzerte oder Wettbewerbe angesehen. Sie ist kein idiomatisches Werk für das Klavier, denn sie ist ziemlich schwierig und liegt nicht gut in der Hand.

De Falla war in der Tat ein geschickter Pianist und erfahrener Komponist, so dass sich über all die taktilen Aspekte des Werkablaufs und den komplexen Charakter manch einer die Finger gebrochen hat.


Franz Liszt (1811-1886)

Mephisto Walzer Nr. 1 (1860)


Die Mephisto-Walzer sind vier Stücke von Franz Liszt. Von diesen Vieren ist das erste das beliebteste und wurde häufig in Konzerten aufgeführt und aufgenommen.

Der Untertitel „Der Tanz in der Dorfschenke“, des ersten Mephisto-Walzer ist das zweite von zwei kurzen Werken, die Franz Liszt ursprünglich für Orchester schrieb.

Während das Vorgängerwerk, mit der Betitelung „Mitternachtsprozession“, nur selten gespielt wird, ist vorliegender Walzer mit seiner Leidenschaft, Sinnlichkeit und Dramatik nach wie vor der virtuoseste und von höchster emotionaler Wirkung.

Dieses Stück ist ein typisches Beispiel für Programmmusik, dessen inhaltliche Abfolge eine Episode aus „Faust“ ist, nicht von Johann Wolfgang von Goethe, sondern von Nikolaus Lenau.

Folgende Szenerie wird dem Noten Text meistens zugeordnet:

Faust und der Teufel Mephisto betreten eine Dorfschenke, wo gerade eine Hochzeitsfeier stattfindet. Mephisto nimmt sich die Geige eines Bauern, stimmt sie (was durch die sich aufhäufenden Quinten am Anfang dargestellt ist) und spielt alsdann einen wilden Tanz. Nach einmaliger Wiederholung folgt ein langsamer Zwischenteil mit einem neuen Thema:

Faust versucht, eine Frau zu verführen und nach einigem Werben verzieht er sich mit ihr in den Wald…

Der Rest ist der Fantasie der Zuhörerschaft anheim gegeben.


- Pause -


George Gershwin (1898-1937)

I'll Build a Stairway to Paradise

Do- Do-Do

Do it again

My One and only

Swanee


Der zweite Teil der Gershwin-Werkauswahl gibt ein paar Blitzlichter vom New-Yorker Broadway frei. Alle Titel sind Lieder, die aus gemeinsamer Arbeit von George und Ira Gershwin herrühren. In den frühen 20ger Jahren des 20. Jahrhunderts war die Revue-Show in den Theatern am Broadway fast noch beliebter als das Kino, der Tonfilm hatte sich noch nicht durchgesetzt.Unterhaltungswert kam daher der Musik in besonderer Musik zu. Swing oder Lindy Hopp sind die Tänze dieser Zeit. Nachdenklich fällt „My one and only“, das vierte Stück aus, das wiederum einen Song darstellt. Der letzte Song „Swanee“ hat regelrecht Popsong-Charakter. George Gershwin will ihn im Alter von 20 Jahren während einer New Yorker Bus-Fahrt komponiert haben. Dieser Song wurde Gershwins erster Hit und machte das New Yorker Wintergarden-Revuetheater berühmt. Der „Swanee River“ ist ein Nebenarm des Mississippi und kommt vom Indianischen Wort Suwanee (genaue Bedeutung unbekannt). Jedoch soll es eine besonders schöne Landschaft sein, durch die der Fluss fließt. Gershwin verfasste damit also quasi eine Huldigung an die Heimat.


Johann Sebastian Bach (1685-1750)

aus „Das wohltemperierte Klavier, Teil 2“

Präludium und Fuge Nr. 14 fis-Moll (um 1744)


Dieses Werkpaar beginnt mit einer weit ausladenden triolischen Kantilene, die sich nachdenklich in den Diskant des Klaviers bewegt.

Im vergleich zu dem Paar, aus dem ersten Teil des heutigen Konzertes ist die Verbindung von Präludium – Melodie und Fugen - Thema noch enger.

Die Fuge scheint die gleiche Kantilene des Präludiums in transparentere Strukturen unterteilen zu wollen, man hört also, dass die Fuge eine echte Weiterentwicklung des Vorspielsdarstellen soll.

Johann Sebastian baut damit eine große symmetrische Form eines sich sachte verdichtenden Klanges auf, der zum Ende des Werkes verhalten Fahrt in zwei korrespondierenden Linien aufnimmt.

Erneut sei darauf hingewiesen: Mit diesem Werkzyklus stößt die Barocke Form der Musik wie an ihre Grenzen, der galante Stil, eine vereinfachte Musiksprache hält Einzug, die sich im Werk der Bachsöhne aber auch im frühen Werk Mozarts bisweilen noch beobachten lässt.


Frederic Chopin (1810-1849)

Sonate Nr. 3 h-Moll op. 58 (1844)

Allegro maestoso

Scherzo. Molto vivace

Largo

Finale. Presto ma non tanto


Die Sonate Nr. 3 h-Moll Opus 58 ist eine der prächtigsten und bedeutungsvollsten Kompositionen im chopinschen Œuvre. 1844, fünf Jahre vor seinem Tod in relativ kurzer Zeit komponiert, ist sie eine von insgesamt drei Klaviersonaten Chopins. Während sein erster Beitrag zur Gattung, die Sonate c-Moll Opus 4 noch den Duktus einer Studie besitzt, beschreiben die anderen beiden Sonaten künstlerisch den Höhepunkt der romantischen Klaviersonatenform.

Chopin griff, sowohl in der Sonate h-Moll als auch in der 1839 entstandenen Sonate b-Moll Opus 35 die klassische Form auf, um sie mit lyrischem Geist zu erfüllen. Während diese einen tragischen Charakter hat, strebt Opus 58 aus dem Dunkel zum Licht und gleicht fast einer epischen Erzählung. "Die h-Moll-Sonate steigt aus der tragischen Tiefe in die grandiose Höhe. Der Mensch, seine Hoffnung und seine innere Kraft besiegen die Dunkelheit" charakterisiert die polnische Pianistin Aleksandra Mikulska die Komposition.

Die h-Moll-Sonate ist viersätzig gehalten, an zweiter Stelle steht ein Scherzo. Wie kein anderes Werk Chopins steht Opus 58 in der Tradition Johann Sebastian Bachs. Die Sonate basiert auf einer kontrapunktischen Struktur. Die Stimmen begegnen sich ständig, laufen nebeneinander her und durchdringen einander und steuern dabei auf ein Finale in wildem "presto nontanto" zu, das in einem triumphalen, fast rauschhaften Feuerwerk in H-Dur endet.


Vielen Dank an Dr. Alexander Saier für die Erstellung der Programmtexte.

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